Attentat 1942

20. Jahrhundert   II. Weltkrieg

Im heutigen Prag versucht die Spieler*in, Informationen darüber zu sammeln, in welchem Maße ihr Großvater an dem tödlichen Attentat auf SS-Obergruppenführer und Stellvertretendem Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich am 04. Juni 1942 beteiligt war. Dabei untersucht die Spieler*in historische Artefakte aus der Zeit des Nationalsozialismus und spricht mit einer Reihe von „Zeitzeug*innen“ über die damaligen Ereignisse, den tschechischen Widerstand und den Holocaust. Neben den Dialogen, in denen bestimmte Antworten nur mithilfe gezielter Fragestellungen freigeschaltet werden, muss die Spieler*in in historischen Episoden kleine Rätsel lösen und erhält so weitere Informationen über die Vergangenheit der Betroffenen.

Wenig Gewalt

Allgemeine Infos

Entwickler: Charles Games

Publisher: Charles Games

Jahr: 2017

Land: Tschechien

Link: Offizielle Webseite

Verfügbar für: Windows, MacOS, Linux, iOS, Android

Genre: Adventure, Indie

Altersfreigabe: USK 12

Allgemeine Infos

Entwickler: Charles Games

Publisher: Charles Games

Jahr: 2017

Land: Tschechien

Link: Offizielle Webseite

Verfügbar für: Windows, MacOS, Linux, iOS, Android

Genre: Adventure, Indie

USK-Freigabe: ab 12 Jahren

Zusammenfassung

Im heutigen Prag versucht die Spieler*in, Informationen darüber zu sammeln, in welchem Maße ihr Großvater an dem tödlichen Attentat auf SS-Obergruppenführer und Stellvertretendem Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich am 04. Juni 1942 beteiligt war. Dabei untersucht die Spieler*in historische Artefakte aus der Zeit des Nationalsozialismus und spricht mit einer Reihe von „Zeitzeug*innen“ über die damaligen Ereignisse, den tschechischen Widerstand und den Holocaust. Neben den Dialogen, in denen bestimmte Antworten nur mithilfe gezielter Fragestellungen freigeschaltet werden, muss die Spieler*in in historischen Episoden kleine Rätsel lösen und erhält so weitere Informationen über die Vergangenheit der Betroffenen.

Erinnerungskulturelle Einordnung

 

Autor: Jan Heinemann

Vermittlungspotential

Zeitaufwand

Komplexität

Erinnerungskulturelle Bedeutung

Das Spiel war nach der Demo von „Through the Darkest of Times“ (Paintbucket Games/Handy Games, 2020) anlässlich der GamesCom 2018 das erste Spiel, das eine Freigabe erhielt, verfassungsfeindliche Symbole (Hakenkreuze, Hitlergruß, SS-Runen u.a.) abzubilden, sodass es im September 2018 auch in Deutschland erscheinen konnte. Mit einer Mischung aus interaktivem Film, audio-visueller Ausstellung, Enzyklopädie und Rätselspiel vermittelt das von Historiker*innen der Karls-Universität in Prag entwickelte „Attentat 1942“ die Geschichte der deutschen Besatzung anhand des Attentats auf Heydrich. Wie auch in „Through the Darkest of Times“ geht es in „Attentat 1942“ um die zivile Perspektive auf die nationalsozialistische Terrorherrschaft, Holocaust und zivilen Widerstand, die in Spielen bisher kaum Beachtung gefunden hat. Voraussichtlich im August 2021 erscheint mit „Svoboda 1945: Liberation“ ein weiteres Spiel im selben Stil von Charles Games.

Diskussionspunkte

Aufgrund des „ungewöhnlichen“ Settings, der erstmaligen Anwendung der Sozialadäquanz-Klausel bei der Vollversion eines digitalen Spiels und der atmosphärischen Inszenierung wurde „Attentat 1942“ sehr positiv bewertet. Die Vermischung von historischen Artefakten, Fotografien und Filmausschnitten mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen und interaktiven Videointerviews vermeintlicher Zeitzeug*innen sowie vielfältige enzyklopädische Hintergrundinformationen führt zu einer starken Authentifizierung der historisierenden Inszenierung. Der tatsächliche Anteil klassischer Spielelemente neben den interaktiven Gesprächen und museal anmutender Präsentation von historische Artfakten ist relativ gering, auch wenn in den historisierenden Rückblenden kleinere Rätselspiele gelöst werden müssen. Die Darstellung des Holocaust bleibt etwas oberflächlich und vage, wohl um die jüngeren Spieler*innen nicht zu sehr zu belasten.

Einsatzmöglichkeiten

Das Spiel bietet sich im Kontext der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Thematisierung von Holocaust und zivilem Widerstand sowie persönlicher Wahrnehmung und Verarbeitung des Kriegsgeschehens bis in die Nachkriegszeit hinein an. Anhand der inszenierten Gespräche mit „Zeitzeug*innen“, die sich zum Teil widersprechen oder über bestimmte Themen nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt genauer sprechen wollen, lassen sich private Motive und die Perspektivität von Zeug*innenberichten problematisieren und Quellenkritik üben. Das Spiel gibt der Spieler*in nach Minigames und Interviews Rückmeldung darüber, welche gewählten Optionen historisch eher unwahrscheinlich gewesen wären, welche Informationen gesammelt und wie viele weitere Antworten möglich gewesen wären, sodass sich die Spieler*in entscheiden kann, das Gespräch fortzusetzen oder neu zu starten.
Das Spiel ist relativ preiswert, benötigt keine nennenswerten Ressourcen und kann mit einer Gesamtspielzeit von unter zwei Stunden gut bewältigt werden. Allerdings ist es nur für Windows und Mac erhältlich. Denkbar wären parallele Spielesitzungen in Gruppen oder gemeinsames Spielen in der Klasse als Grundlage für anschließende Diskussionen über erlangte Informationen oder die repräsentierten Sachverhalte.

ÜBER DEN AUTOR:

Jan Heinemann studierte Geschichte und Politikwissenschaft und beschäftigt sich mit Vergangenheitsinszenierungen in digitalen Spielen und analogen Konfliktsimulationen (Twitter: @lepetitcapoLP).

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Zitierempfehlung

Heinemann, Jan. „Attentat 1942“. Datenbank Games in der Erinnerungskultur. Stiftung Digitale Spielekultur, 24.06.2021. [URL], zuletzt aufgerufen am: [Datum]

Weiterführendes Material

media:net berlinbrandenburg. „games:net Berlin Europe presents: Playing History – Tackling Europe´s Past with Video Games“. YouTube, 30.03.2021. https://www.youtube.com/watch?v=seA-UZyesHA, zuletzt aufgerufen am: 06.06.2021.

Šisler, Vít. „Contested Memories of War in Czechoslovakia 38-89: Assassination: Designing a Serious Game on Contemporary History“, Game Studies 16, (2) 2016. http://gamestudies.org/1602/articles/sisler, zuletzt abgerufen am: 06.06.2021.

Welzer, Harald / Moller, Sabine / Tschuggnall, Karoline: „Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis“, Frankfurt am Main 2002.

Wildt, Michael. „Der Untergang. Ein Film inszeniert sich als Quelle“. Zeithistorische Forschungen 2, no. 1 (2005): 131-142.

Zimmermann, Felix. „Wider die Selbstzensur – Das Dritte Reich, nationalsozialistische Verbrechen und der Holocaust im Digitalen Spiel“. gespielt, 27.08.2017. https://gespielt.hypotheses.org/1449, zuletzt aufgerufen am: 06.06.2021.

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