Bildung, Forschung, Kultur

foundations@gamescom: Gaming-Communitys als Schnittstelle für die demokratische Zivilgesellschaft

V.l.n.r.: Felix Falk, Geschäftsführer game-Verband; Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur; Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland; Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats; Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Leiter der Staatskanzlei NRW, bei der Eröffnung des gamescom congress 2026. © Franziska Krug/game - Verband der deutschen Games-Branche

Köln, 27. August 2026: Wie organisieren sich Gaming-Communitys? Wer redet hier mit wem über was? Und welche Rolle spielen Online-Gemeinschaften im Alltag der Menschen, die sich in diesen digitalen Sozialräumen bewegen? Antworten auf diese und weitere Fragen lieferte in diesem Jahr das Format „foundations@gamescom“. Das kuratierte Rundgangprogramm der Stiftung Digitale Spielekultur lädt Führungskräfte aus dem Stiftungswesen sowie weitere hochkarätige Vertreter*innen aus Behörden und Zivilgesellschaft einen Tag lang auf die gamescom in Köln ein.

Der gemeinsame Tag auf dem weltweit größten Event für Computer- und Videospiele stand ganz im Zeichen der Initiative Gaming for Democracy, die die Stiftung Digitale Spielekultur zusammen mit der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim), der Bertelsmann Stiftung und der Bundeszentrale für politische Bildung ins Leben gerufen hat. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Frage, wie sich Gaming-Communitys aufgrund ihrer bereits vorhandenen sozialen Strukturen als Orte demokratischer Praxis stärken lassen.

Dass Games „kulturrelevant und damit auch relevant für Demokratie“ sind, hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gleich zu Beginn des Tages in seiner Rede bei der Eröffnung des gamescom congress fest. Nach einer persönlichen Begrüßung durch Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Spielekultur, und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats und Beiratsvorsitzender der Stiftung Digitale Spielekultur, hatten die „foundations@gamescom“-Gäste die Möglichkeit, die Eröffnungsveranstaltung mit dem Bundespräsidenten sowie das Vormittagsprogramm von Europas wichtigstem Kongress für die gesellschaftlichen Potenziale von Games zu besuchen.

Nach der Mittagspause kam die gesamte Gruppe wieder zusammen und ging gemeinsam mit dem Team der Stiftung auf einen Rundgang durch die Business- und Entertainment-Hallen der gamescom. Im ersten Teil begleitete Marylin Marx, Lead Community Management bei Webedia, den Rundgang und berichtete über die alltäglichen Aufgaben und Herausforderungen im Community-Management auf reichweitenstarken Gaming- und Entertainment-Portalen wie gamestar.de oder mein-mmo.de.  Im Anschluss machte die Gruppe am Stand von „The Witcher 3: Wild Hunt — Songs of the Past“ halt. Carolin Wendt, Content Creator Strategist bei CD Projekt RED und ehemals verantwortlich für das Community-Management, gab Einblicke in einige der wohl größten und leidenschaftlichsten Spiele-Communitys der Welt, die sich rund um die populären „The Witcher“- und „Cyberpunk 2077″-Spieleuniversen des polnischen Games-Unternehmens versammeln.

Nach einem Grußwort von Felix Falk, Geschäftsführer des game – Verband der deutschen Games-Branche, widmete sich der Rundgang der Vermittlung von Demokratie durch Games. Dazu machte die Gruppe am Indie Arena Booth halt, um am Stand der Bundeszentrale für politische Bildung von Dr. Felix Zimmermann (Referent für Games-Kultur, politische Bildung und Extremismus) mehr über Indie-Games zu erfahren, die auf innovative Weise demokratische Themen erfahrbar machen. Im Anschluss stellte Jörg Friedrich von Paintbucket Games sein neues, von der bpb gefördertes Spiel „SOKO 1977: Anti-Terror Task Force“ vor, das Spielende in die Rolle der Leitung einer Polizei-Sonderkommission im Deutschen Herbst schlüpfen lässt. Abgerundet wurde der Ausflug in die Welt der Indie-Games mit „Meine Oma [88]„, einem Spiel, das sich mit dem Sprechen über die NS-Zeit in der eigenen Familie auseinandersetzt und vor Ort von Richard Minkus von RotXBlau vorgestellt wurde.

Zur Reflexion des Tages lud abschließend das gamescom congress-Panel „Gaming for Democracy: Spiele-Communitys als Orte demokratischer Praxis stärken“ ein. Nach einem Input von Prof. Dr. Jeffrey Wimmer zum aktuellen Forschungsstand rund um das gemeinsinnstiftende Potenzial von Gaming-Communitys diskutierte das Panel Chancen und Herausforderungen von Demokratiearbeit, die Gaming ernst nimmt. Darüber hinaus gab es Einblicke in die Arbeit des Community Support Network der Stiftung Digitale Spielekultur. An der Diskussion nahmen Nandita Wegehaupt, Marylin Marx, Prof. Dr. Jeffrey Wimmer und André Nagel, Fachbereichsleiter Politische Bildung und Soziale Medien, teil; moderiert wurde das Panel von Magnus von Keil.

Viele der über 30 Gäste haben uns im Nachgang mitgeteilt, dass sie neue Ideen und Anregungen für ihre eigene Arbeit mitgenommen haben – etwa zu Spielentwicklung als Kompetenzentwicklung, zur Bedeutung von Communitys für Jugendliche in ländlichen Räumen oder zum Transfer digitaler Community-Dynamiken in den nicht-digitalen Raum. Auch die Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit zwischen Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Games-Bereich wurde positiv hervorgehoben.

In diesem Sinne bedanken wir uns herzlich bei allen Kooperationspartnern und Teilnehmenden von „foundations@gamescom“ sowie beim game-Verband für die Unterstützung des Formats. Moderiert wurde der Rundgang von Niels Boehnke, Christian Huberts und Benjamin Rostalski von der Stiftung Digitale Spielekultur, für die Organisation war Benjamin Hillmann verantwortlich.