GamesMarkt: In der Gamesbranche sind Sie noch ein unbeschriebenes Blatt. Beginnen wir also am besten mit Ihnen: Wer ist Cigdem Uzunoglu?
Cigdem Uzunoglu: Von Hause aus bin ich Politologin, und ich bin bereits früh in den Stiftungsbereich eingestiegen. Inzwischen bin ich seit zwei Jahrzehnten in diesem Bereich tätig. Meine erste Führungsposition hatte ich mit Anfang 30. Seither habe ich verschiedene Bereiche von Stiftungen verantwortet sowie Stiftungen aufgebaut und geleitet. Schwerpunkte waren Forschungs- und Pilotprojekte im Bildungsbereich, die ich bundesweit initiiert, erprobt und umgesetzt habe. Inhaltlich richteten sich die Projekte vor allem an junge Menschen und deren Unterstützung entlang der Bildungskette. Zu den Zielgruppen der Projekte gehörten Grundschüler ebenso wie Studierende, Doktoranden und Berufseinsteiger. Ich hatte es also mit einer sehr bunten und vielfältigen Zielgruppe zu tun, die sehr spannend und interessant ist.

GamesMarkt: Wie sind Sie auf die Stiftung Digitale Spielekultur aufmerksam geworden?
Cigdem Uzunoglu: Eigentlich ganz banal: Eine Bekannte hat die Anzeige gesehen und sofort an mich gedacht, da der Auf- und Ausbau einer Stiftung exakt meinen beruflichen Erfahrungen entspricht. Für
mich war dann vor allem das Thema Games entscheidend, da ich mit diesem Bereich bisher keine Berührungspunkte hatte und eben nicht genau das Gleiche wie bereits zuvor machen wollte. Insofern ist die Stiftung Digitale Spielekultur eine spannende Herausforderung, weil ich eine vertraute Arbeit — den Ausbau einer Stiftung — mit einem vollkommen neuen Thema verknüpfen kann.

GamesMarkt: Sie sind also keine Gamerin?
Cigdem Uzunoglu: Darf ich mich wirklich outen? (Lacht.) Ja, ich bin keine Gamerin, zumindest noch nicht. Das große Potenzial von Games sehe ich aber natürlich. Sie sind fester Bestandteil des Alltags von Millionen Menschen, das macht die Aufgabe bei der Stiftung Digitale Spielekultur auch so reizvoll und spannend.

GamesMarkt: Ist es bei der Stiftungsarbeit vielleicht sogar von Vorteil, wenn man einen unvoreingenommenen Blick auf die Materie hat?
Cigdem Uzunoglu: Ich denke schon. Bei der Stiftungsarbeit geht es unter anderem darum, Themen aus der Branche an ein „branchenfremdes“ Publikum zu vermitteln, also beispielsweise in die Stiftungslandschaft, Politik oder an die Leute, die bisher kaum Berührungen mit digitalen Spielen haben. Ich sehe mich deshalb als Vermittlerin, als Übersetzerin der Branche. Und wenn ich als Nichtgamerin die Themen verstanden und verinnerlicht habe, vertrete ich diese möglicherweise auch mit einer Sprache und in einer Art, dass sie auch die Menschen verstehen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit Games haben. Bei dieser Zielgruppe habe ich vielleicht sogar Vorteile, weil ich eben bisher nicht in der Gamesbranche gearbeitet habe, sondern den Themen mit einem frischen Blick begegne.

GamesMarkt: Sie haben die Arbeit erst vor wenigen Tagen aufgenommen. Wie intensiv haben Sie sich mit der Stiftung denn schon auseinandergesetzt?
Cigdem Uzunoglu: Peter Tscherne, der übrigens einen fantastischen Job gemacht hat, hat mich an viele Themen herangeführt, zumindest soweit dies im Vorfeld der Übergabe möglich war. Ich habe also einen gewissen Überblick, doch es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn man tagtäglich im Thema ist. Insofern habe ich zwar sicher schon die eine oder andere Idee, aber alles zu seiner Zeit. Zunächst muss ich mich erst richtig in die Materie einarbeiten.

Das Interview führte Stephan Steininger. Es erschien in Ausgabe 03/2018 der Zeitschrift GamesMarkt.