Don't Make Love

Ethik

„Don’t Make Love“ ist eine gefühlvoll gestaltete Liebessimulation mit künstlicher Intelligenz. Die Handlung dreht sich um zwei Gottesanbeterinnen, deren Liebe zueinander eine starke körperliche Begierde zwischen ihnen entfacht. Aus der Begierde entsteht für das Paar ein moralisches Dilemma. Das Weibchen fürchtet nämlich, nach dem Sex ihren Instinkten zu verfallen und das Männchen lebend aufzufressen. In der Rolle des Männchens oder des Weibchens versuchen die Spieler*innen deshalb ständig, über den Dialog mit dem oder der Geliebten die Balance zwischen Distanz und Nähe aufrecht zu erhalten oder geben sich bewusst der Leidenschaft hin. Das Spiel thematisiert auf diese leicht abstrahierte Art und Weise die Unsicherheit vor dem ersten Mal, die sich auch in zwischenmenschlichen Beziehungen wiederfindet, denn auch im wirklichen Leben besteht häufig die Angst, den*die Partner*in zu verletzen. Das Spiel lässt sich als ein Angebot begreifen zu erlernen, über Sex und Gefühle zu sprechen, und sich diesen Ängsten durch gemeinsame Kommunikation und Austausch anzunähern.

nur Englisch

Allgemeine Infos

Pädagogische Einordnung
 
Autor*in
Patrick Herzog

Zeitaufwand

Komplexität

Problematische Aspekte

Solides Leseverständnis und schriftlicher Ausdruck der englischen Sprache notwendig, Spannungsfeld von Biologisierung und Konsensualisierung von Sexualität, Vermittlung von Binärität

Spielinhalt

Spieler*innen schlüpfen in die Rolle einer weiblichen bzw. männlichen Gottesanbeterin. Das Setting ist eine grüne Wiese an einem lauen Sommerabend. Die Handlung besteht darin, mit einem NPC über den ersten gemeinsamen Sex und die Sorgen, Befürchtungen und Emotionen dabei zu sprechen.

Spielmechanik

Die Spieler*innen verbalisieren durch individuelle Texteingabe, was sie dem NPC sagen möchten, und können außerdem mehrere Handlungen sowie emotionale Mimik rundenbasiert durch Buttons steuern.

Pädagogische Einsatzfelder

Die Spielmechanik setzt englische Sprachkenntnisse ca. ab Klasse 8 voraus. Sowohl Leseverständnis als auch Schreibvermögen sind notwendig, um die Dialoge mit dem NPC führen zu können.
„Don’t make love“ setzt sich mit den Themen Sexualität, Beziehung, Vorstellungen von Liebe und den Aushandlungsprozessen im Kontext einer Zweierbeziehung einer weiblich und männlich gegenderten Gottesanbeterin auseinander. Mit diesen Themen lässt sich das Spiel in den Fächern Ethik, Biologie sowie Sozial- und Gesellschaftskunde und Englisch einsetzen, da die Aushandlung von Beziehung, Liebe und Sexualität, sowie biologische Aspekte, ethische, wertreflexive und kommunikative Fragestellungen aufwirft.

Ein pädagogischer Nutzen besteht neben dem Aspekt der Anwendung von englischen Schreibfähigkeiten vor allem in der Möglichkeit über Vorstellungen hinsichtlich Sexualitäten und Liebes- und Beziehungsskripte – besonders im Kontext erster Paarsexualitäten – zu sprechen. Dafür könnte man das Spiel in Kleingruppen ca. 15 Minuten spielen lassen und dann das Bild von Sexualität im Spiel reflektieren. Darauf aufbauend könnten dann die verschiedenen Rahmungen menschlicher Sexualitäten im Unterschied oder Übereinstimmung besprochen werden.
Im gesellschaftlichen Diskurs wird die Fähigkeit, über Sexualitäten, Liebes- und Beziehungsskripte zu sprechen und Konsens auszuhandeln, betont – besonders im Kontext von Genderprojektionen und dem Ziehen und Respektieren von Grenzen.
Das Spiel bedarf also einer Kontextualisierung und pädagogischen Begleitung, da es im Kern auf einem biologistischen Ansatz aufbaut: Durch eine Anthropomorphisierung wird menschliche Sexualität auf eine biologisch sehr unterschiedliche Spezies und deren Fortpflanzung übertragen. Die Gefahr liegt darin, dass ein eher Sex-negatives Bild bei den Schüler*innen (re)produziert wird, Sexualität als etwas Riskantes, potenziell Verletzendes wahrgenommen wird und/oder der erste Sex im Paarkontext überhöht wird.

Interessant sind in diesem Zusammenhang daher besonders die Unterschiede, die das Dilemma dieses fiktiven Beziehungsgespräches zweier Gottesanbeterinnen in Ihrer Narration über Sexualität bedeutet: Menschliche Sexualität ist eben nicht per se darauf angelegt, etwas Gefährliches, Riskantes oder ein primär biologischer Erstakt zu sein – Ganz im Unterschied zur Mantis religiosa, deren Sexualität dadurch gekennzeichnet ist, dass das Weibchen vor, während oder nach der Paarung das Männchen gelegentlich auffrisst. Sexualität ist beim Menschen immer auch erlernt, individuell, sozial, kulturell und ethisch gerahmt.

Dazu sollten Unsicherheiten und Sorgen der Schüler*innen über Sexualitäten ernst genommen werden – und das kann das Spiel mittels der Unterschiedlichkeit von menschlicher und tierischer Sexualität bieten, besonders in seinem Ansatz, die Wichtigkeit der Sprachfähigkeit und Aushandlung im Zugang zu Gefühlen, Körper und Beziehung herauszustellen. Bezüglich Genderaspekt ermöglicht das Spiel eine zwar reizvolle, aber auch problematische Rollenumkehr: Die männlich gegenderte Spielfigur ist nun die kleinere, bedrohte und besorgte Spielfigur.

Trailer
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