Im Rahmen des 13. Internationalen Literaturfestivals Berlin veranstaltete die Stiftung Digitale Spielekultur am Sonntag, den 8. September 2013 einen ganzen Themen-Tag zu Computerspielen und Literatur mit „Spielungen“ und einer hochkarätigen Diskussionrunde. Gefördert wurde die Veranstaltung vom Medienboard Berlin-Brandenburg.

Computerspiele haben eine rasante Entwicklung hinter sich und sind innhalb weniger Jahrzehnte zum Kulturgut gereift. Manchen gar wird Kunst-Charakter zugesprochen. Dies geschah weitestgehend unbeanchtet vom etablierten Literatur-Betrieb. Zwischen Literatur-und Computerspiele-Szene gibt es kaum Austausch, es herrscht eine gewisse Sprachlosigkeit. Gegenseitige Ressentiments sind die Folge.

 

Journey

Journey

Kunsterfahrung und weltweite Verständigung ohne Worte – Vorstellung des vielfach preisgekrönten Computerspiels
Limbo

Limbo

Altersfreigabe für Computerspiele – Entscheiden Sie selbst! In unserer simulierten Prüfsitzung
Spec Ops - The Line

Spec Ops - The Line

Ein »Ballerspiel«, inspiriert von Joseph Conrads »Herz der Finsternis«
The Last of Us

The Last of Us

Ein Computerspiel ums nackte Überleben, inspiriert von Cormac McCarthys »The Road«: »The Last of Us«

 

Nicht zuletzt hat dies seinen Grund im Fehlen eines Forums oder Veranstaltungsformats, in welchem wichtige Computerspiele einem interessierten Publikum mit literarischem Hintergrund präsentiert und gemeinsam mit Protagonisten der Gaming-Szene diskutiert werden können. In Zusammenarbeit mit dem 13. Internationalen Literaturfestival Berlin schuf die Stiftung Digitale Spielekultur ein solches Forum durch eine neue Form der Präsentation von Computerspielen, die sog. „Spielung“ (in Analogie zur herkömmlichen Lesung). So wurde ein Modell erprobt, um die unterschiedlichen Szenen von AutorInnen, KulturwissenschaftlerInnen und GamerInnen miteinander in Kontakt zu bringen.

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Obwohl diese Sentenz von Friedrich Schiller berühmt ist, hat sie nicht dazu geführt, dass es in der deutschen Literatur eine besondere Beziehung zum Spiel gibt. Es geht uns um die Wahrnehmung von Computerspielen als zeitgemäße Form einer interaktiven, populären Kunstgattung.“

 

Thomas Böhm, Programmleiter internationales literaturfestival Berlin

 

Programm

Die Veranstaltung fand am Sonntag, d. 8. September 2013 ab 11Uhr im Haus der Berliner Festspiele auf der Parkbühne statt.

  • 11.00 Uhr Altersfreigabe für Computerspiele – Entscheiden Sie selbst!  Eine simulierte Prüfsitzung mit Uwe Engelhard, Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden, und Benjamin Rostalski
  • 12.00 Uhr Kunsterfahrung und weltweite Verständigung ohne Worte – Vorstellung des vielfach preisgekrönten Computerspiels »Journey«. Mit Tim Tielebier (Deutsche Gamestage) und Peter Tscherne
  • 15.00 Uhr Ein Computerspiel ums nackte Überleben, inspiriert von Cormac McCarthys The Road: »The Last of Us«.  Mit Katharina Dankert, Thomas Böhm und Peter Tscherne
  • 16.00 Uhr Ein »Ballerspiel«, inspiriert von Joseph Conrads Herz der Finsternis – Vorstellung des Computerspiels »Spec Ops – The Line«. Mit Johannes Kristmann (YAGER). Moderation: Thomas Lindemann
  • 17.30 Uhr Das literarische Quartett der Zukunft – Erstes Treffen mit Linda Breitlauch, Ulrike Draesner, Markus Heitz und Christian Schiffer.