Die heißen Diskussionen um den Deutscher Computerspielpreis enden so langsam. Um das Kapitel abzuschließen, haben wir uns entschieden, dazu als Team noch einmal offiziell unsere Sicht der Dinge darzulegen. Peter, der Herr des Hauses, macht den Anfang.

DCP 2014: „Ein toller Preis, ein super Abend!“

Zu dieser Version nehme man ein Dutzend Bilder vom Gala-Abend, dazu die sympathische Lobes-Mail vom BMVI an die Ausrichter sowie begeisterte Kommentare der Gewinner und ihrer Fans und Freunde aus dem Netz.

DCP 2014: „Was für eine Peinlichkeit! Gamer: ignoriert den Preis!“

Dafür musste man in den vergangenen Tagen nur mit einigen Branchenvertretern sprechen, kritische Artikel in Fach- und Publikumspresse lesen sowie Skeptikern und Silberrücken im Netz zuhören.

Für mich liegt die Wahrheit in der Mitte. Aber der Reihe nach:

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(c) DCP. Musik-Act und Laudator Tommy Krappweis

Die Gala: Es war zu lang, die Moderation war nicht gut, einige der Laudatoren haben inhaltlich gepatzt. Gleichzeitig gab es inspirierte Politiker*innen wie Dorothee Bär und Peter Tauber, einen ausgelassenen Tommy Krappweis und klasse Cosplayer. Und ich war nicht der letzte, als ich kurz vor 04.00 Uhr mit dem Stiftungsteam nach Hause ging. Auch gut: Die persönlichen Gespräche mit der Politik an dem Abend haben mich hoffnungsfroh gestimmt.

18-erTitel / Juryaustritte: Dass die beiden Juroren fünfzehn Monate mit dem Rücktritt warten (und dann achtzehn Minuten dafür benötigen), nachdem die Regelung bereits 2013 an die gesamte Jury mündlich kommuniziert und schriftlich ausgeteilt wurde, finde ich etwas schräg. Und ich finde, dass man diesen Schritt auch vorab mit den anderen Jurymitgliedern hätte diskutieren können. Und der Fehler auf Ausrichterseite: wir hätten die Regelung noch viel proaktiver kommunizieren sollen, dann hätte die Diskussion vielleicht schon früher beginnen können!

Der Sache haben die Austritte aber im Endeffekt gut getan. So hat sich der Druck auf eine Reform des DCP erhöht und das begrüße ich. Denn die Regelung, die 18er Titel mehr oder weniger vom DCP ausschließt, ist Quatsch. Und nicht jedes Spiel muss pädagogisch wertvoll sein. Neben der klaren Einbeziehung von 18er Titeln sollten auch Kriterien und Kategorienzuschnitte überarbeitet werden.

An dieser Stelle auch ein Appell an die Entwickler und Entwicklerinnen: macht mehr gute Spiele für Erwachsene und Blockbuster! Dass der DCP in der Community keinen hohen Stellenwert hat, liegt u.a. auch daran, dass die deutschen Gamer nur wenige in Deutschland produzierte Spiele, massenweise und mit Begeisterung zocken.

Nicht-Auszeichnung bei Serious Games: ich respektiere die Entscheidung der Jury. Vor allem, da ich bei der Hauptjurysitzung mit eigenen Augen gesehen habe, wie kompetent und leidenschaftlich über diese Kategorie diskutiert wurde. Dass wir aus Fairness-Gründen die Nominierten vorab informiert haben, war meiner Meinung nach richtig. Dass wir das Ganze vorab nicht kommunizieren durften / konnten, finde ich schade. Gelernt: eine Jury muss unabhängig agieren. Aber wenn Sie schwierige und unpopuläre Entscheidungen trifft, dann sollten diese transparent und proaktiv kommuniziert werden.

Rollen der Verbände, Politik, Stiftung, G&J: Wer ist eigentlich Ausrichter, wer Förderer, wer Partner? Was macht die LARA beim DCP? Welche Rolle spielt die Stiftung? Das ist sicher auch eine Aufgabe: bis 2015 für mehr Rollen-Klarheit und Transparenz zu sorgen. Und mit den genannten Stakeholdern auch verschiedene Szenarien und Möglichkeiten der Weiterentwicklung zu diskutieren.

Alles in allem: viel Stoff und Anlässe, den DCP zu reformieren! Wir als Stiftung haben bereits 2013 angefangen zu sammeln, was geändert und verbessert werden könnte. Ich sehe dem positiv entgegen. Und hoffe, dass wir langfristig die erste Schlagzeile lesen dürfen.