Interview mit Arno Heinisch (Rocket Beans)

Nov 2, 2016

Über Arno Heinisch

Eigenlob stinkt wie Harzer Käse. Aber das hier ist kein Lob, sondern wahrscheinlich ein Fakt: Arno Heinisch ist der einflussreichste TV-Produzent Deutschlands im Bereich Gaming. Im Gegensatz zu den Computer- und Videospielen selbst bewegen sich die Sendungen dazu zwar noch in einer Nische, aber dort fühlt sich Heinisch pudelwohl. Nach seinem abgeschlossenem Wirtschaftsstudium im Jahr 1995, arbeitete er zunächst als Chefredakteur bei Schwartzkopff TV, bevor er 2003 die Riesenbuhei Entertainment GmbH gründete.

Seitdem produzierte Heinisch über 300 Folgen „Game One“  für MTV, das Gameskultur-Magazin „Reload“ für die ARD / Einsplus sowie für Red Bull das Format „Play“. In den Jahren 2012 und 2013 veranstaltete er zudem den „Deutschen Computerspielpreis“. Im Januar 2015 startete Heinisch dann zusammen mit den Moderatoren Daniel Budiman, Simon Krätschmer, Nils Bomhoff und Etienne Gardé den ersten deutschen, unabhängigen und Community-getriebenen Sender Rocketbeans.tv.

Für viele dieser Projekte hagelte es Preise, zum Beispiel den Grimme Online Award 2011 für „gameone.de“ oder den Deutschen Webvideopreis 2014 und 2015 für Rocket Beans. Auch seine Non-Gaming-Produktionen „Pimp my Fahrrad“ und „Ausflug mit Kuttner“ wurden mit Nominierungen zum Grimmepreis geehrt.

Hintergrundbild (c) Rocket Beans

Gründer und Geschäftsführer, Rocket Beans Entertainment GmbH

Über Rocket Beans

Rocket Beans TV ist Deutschlands erster unabhängiger 24/7-Online-Sender. Gegründet vom ehemaligen Team hinter Game One, beschreitet der „Nerd-Sender“ seit dem Start Anfang 2015 neue Wege in der digitalen Popkultur. Die Rocket Beans sind bereits mehrfach prämiert, unter anderem mit dem 1. Deutschen Content Marketingpreis (2015) und wurden als „Start-Up des Jahres“ mit dem Gründerpreis 2016 ausgezeichnet. Rocket Beans TV sitzt in Hamburg und beschäftigt inzwischen fast 80 Mitarbeiter. Mehr unter: www.rocketbeans.tv

Wer oder was ist Rocket Beans?

Rocket Beans TV ist Deutschlands erster unabhängiger 24/7-Online-Sender. Wir bezeichnen uns selbst als „Nerd-Sender“ oder als Independent-Plattform. Wir besprechen, unterhalten und bespielen alle Themen der digitalen Popkultur.

Was ist Deine Rolle bei den Rocket Beans?

Ich bin hier als Chefarzt im Irrenhaus tätig. Auf meiner Visitenkarte steht aber „Geschäftsführender Gesellschafter“, und ich bin einer der fünf Gründer. Meine genaue Rolle ist einem steten Wandel unterworfen. Wir haben in den letzten anderthalb Jahren rund 60 neue Leute eingestellt und sind jetzt um die 80 festangestellte Raktetenbohnen. Mittlerweile agiere ich immer weniger im operativen Bereich, sondern mehr und mehr in der strategischen Firmenentwicklung.

Das heißt, ihr macht Fernsehen, ein lineares Medium…heutzutage? Ist das nicht verwunderlich?

Ja. Aber dadurch, dass wir täglich einen Live-Anteil von bis zu zehn Stunden im Programm haben, wiederum auch nicht. Wir sind hochgradig interaktiv und im ständigen Dialog mit unserer Community und unseren Zuschauern. „Wetten, dass..?“ war sogenanntes Lagerfeuerfernsehen für Millionen. Wir machen täglich 10.000 Lagerfeuerchen.

Wie schafft ihr es, das kreative Chaos mit der notwendigen Ordnung eines 24-Stunden-Senders zu vereinbaren?

Wir befinden uns seit Senderstart in einem permanenten Organisations- und Umstruktierungsprozess. Das ist aber ja auch logisch: Bei unserem rasanten Wachstum ist eine Professionalisierung in allen Bereichen unabdingbar. Alleine die firmeninterne Kommunikation mussten wir komplett umkrempeln. Mails gibt es so gut wie keine mehr. Intern kommuniziert und abgewickelt wird z. B. fast nur noch über Plattformen wie „Slack“ und „Trello“.

Wieviel Freiheit haben eure Mitarbeiter/innen bei der Umsetzung ihrer eigenen Ideen?

Viel. Die Herausforderung beim Wachstum ist es nun, diese Freiheit und die dadurch ermöglichte Kreativität zu erhalten, aber trotzdem mehr Struktur in die Firma zu bringen. Aber das muss überhaupt kein Widerspruch sein. Ganz im Gegenteil.

Welche Hindernisse gibt es dabei und haben alle Mitarbeiter/innen ein Veto-Recht?

Wir sind, denke ich, schon eine ziemlich transparente Firma. Nach außen wie nach innen. Also hier hat quasi jeder ein Vetorecht. Aber trotzdem kann man es bei rund 80 Mitarbeitern nicht immer allen recht machen. Auf jeden Fall haben unsere Mitarbeiter eine extrem hohe Identifikation mit unserem Laden und unserer Plattform. Das ist wundervoll und sehr viel wert!

Galerie: Rocket Beans (Bildrechte: Rocket Beans)

Kannst Du uns etwas über Euer Geschäftsmodell verraten? Wie verdient Ihr Geld?

Wir haben sieben Einnahmesäulen: Freiwillige Spenden aus der Community, Affiliate-Links, Merchandise, Werbeeinahmen aus dem Livestream sowie aus dem Video-on-Demand-Bereich (VoD), Product-Placement, Sponsoring und Branded-Content-Formate. Keine der Säulen könnte den Sender alleine refinanzieren, aber alle sieben lassen  zusammengenommen die Rakete fliegen.

Seit unserem Streamingplattform-Wechsel von twitch zu YouTube-Live am 01.09. können wir uns auch selbst vermarkten, was die Werbepausen im Livestream und die VoDs in unserer Mediathek anbelangt. In dieser Hinsicht bauen wir gerade unsere Sales-Abteilung gezielt aus und starten den Dialog mit den Media-Agenturen für Kampagneneinbuchungen. Hier sehe ich ein zusätzliches und riesiges Potential!

Ihr engagiert Euch jetzt auch beim neuen Format Arcade One im April 2017 in Dortmund? Was erwartet die Fans dort, und welchen Beitrag leistet Ihr?

Wir werden auf der Arcade One das tun, was wir am Liebsten machen: Spielen. Mit Games. Und mit dem Publikum. Live über unsere Stream und vor Ort mit den Besuchern. Dazu sind wir auch für die Konzeption und Umsetzung des „ARCADE ONE BATTLES“ verantwortlich – Einem Turnier mit vier hochkarätigen Teams (u.a. PietSmiet, Sarazar und natürlich auch eines von den Rocket Beans), die in einem über die zwei Tage verteilten Battle untereinander und auch gegen den Chat um den Sieg kämpfen werden.

Was ist in den nächsten 10-100 Jahren noch zu erwarten von den Rocket Beans?

Wir wollen unsere Plattform ausbauen. Digital und in echt. Wir wollen verstärkt in den Eventbereich einsteigen, also Live-Veranstaltungen vor Publikum durchführen und diese logischerweise parallel live streamen. Wir wollen eine „Global Heimat for Nerds“ werden!

Lieber Arno, vielen Dank für das Interview!

Raktetenbasis

Das HQ der Rocker Beans in Hamburg

Raketenbasis in Hamburg. Das HQ der Rocket Beans

Rocket Beans TV – Alles muss. Nix kann.