2014 hat es Projektmanager Benjamin Rostalski erstmals geschafft, zur E3 nach Los Angeles zu fahren. Die „Electronic Entertainment Expo“ ist zwar nicht die größte Spielemesse der Welt (das ist die Gamescom in Köln), dafür aberdie wichtigste. Hier werden die Hits und Blockbuster der bevorstehenden Saison angekündigt und nicht selten der internationalen Fachöffentlichkeit erstmals zum Ausprobieren vorgestellt.
Projektmanager Benjamin auf großer Reise…
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„Das LA Convention Center öffnet am ersten von drei Messetagen erst um 12 Uhr mittags seine Pforten. Genug Zeit also, sich vormittags die Umgebung anzuschauen. Draußen vor der Tür hat ein antiker Panzer ein typisch amerikanisches Taxicab plattgewalzt, ein PR-Stunt der weißrussischen Firma Wargaming, für die übrigens auch DCP-Juror Tom Putzki tätig ist, dem ich verdutzt die Hand schüttele. 8000 Meilen von daheim entfernt habe ich nicht so schnell mit bekannten Gesichtern gerechnet.

Als die beiden Hallen der E3 (West und South, mehr sind es nicht) endlich öffnen, strömen hunderte wartende Fans hinein. Wir lassen es ruhig angehen. Überhaupt ist die gesamte Messe – so wird schnell klar – wesentlich entspannter als die Kölner Gamescom. Die E3 ist eine reine Fachbesucher-Messe, somit ist mit Horden von Teenagern nicht zu rechnen. Die prohibitiven Ticket-Preise für Nicht-Branchen-Angehörige tun ihr Übriges: Auf der E3 steht man selten länger als 45min an, oftmals gar nicht, um die kommenden Hits und Neuerscheinungen zu spielen.Mit Show-Effekten wird dennoch nicht gegeizt: Bereits am Eingang der South Hall steht vor uns eine riesige Panzerechse à la Godzilla, Protagonist des neuen Teamshooters „Evolve“, in dem vier Jäger gegen die Bestie antreten. Schnell finden wir weiteres martialisches Gerät, wie etwa das zum Panzerfahrzeug ausgebaute Batmobil bei Warner sowie einen von der Decke hängenden (!) Panzer bei Wargaming, wo man einen witzigen Bullet-Time-Clip von sich machen kann, wie man vor dem Panzer davonspringt.

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Nach längerem Schlendern durch die Halle haben wir am späten Nachmittag auch das Highlight des ersten Messetages entdeckt: Die Indiecade-Showcase, eine kreisrunde Ausstellung von Indiespielen und Studentenprojekten, viele von der lokalen University of Southern California (USC), die bloß einen Steinwurf vom Convention Center entfernt liegt. Die Indiecade ist eigentlich ein eigenes Independent Games Festival (9. bis 12. Oktober 2014, Culver City, Kalifornien), ist aber mit einer kleinen Teaser-Ausstellung hier auf der E3 vertreten und bietet einen schönen Kontrapunkt zum Pomp der AAA-Titel großerPublisher. Hier können Indie-Spiele probiert werden und man kommt in den Genuss, den Entwickler*innen direktes Feedback geben zu können. Besonders beeindruckt mich „Thralled“, ein Spiel über die Flucht einer Sklavin von einer brasilianischen Zuckerrohrplantage mit vielversprechendem Gameplay. Die Proragonistin hat ihr Neugeborenes dabei, das immer wieder beruhigt werden muss. Dieses Empathy-Game par excellence werden wir im Auge behalten, es soll im Herbst auf der OUYA erscheinen. Außerdem begegne ich einem persönlichen Helden, nämlich Asher, dem Schöpfer des phantastischen Knobelspiels „Threes!“, das auf mobilen Plattformen Riesenerfolge gefeiert hat und eine wahre Kaskade von Copycats nach sich gezogen hat, deren bekannteste wohl „2048“ sein dürfte. Ahser ist der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen und er freut sich, mit gutem finanziellen Polster weitere tolle Spiele entwickeln zu können. Zusammen mit wildfremden Mitinteressierten spiele ich einige Partien seines neuen Projekts „Close Castles“, einer Mischung aus rudimentärer Städtebausimulation und Tower Defense. Die Version ist noch extrem krude, ich habe also das Privileg, als einer der allerersten das „Development Build“ auszuprobieren.

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Tag zwei der Messe führt uns auf die riesigen Stände von Microsoft und Sony, die ihre jeweilige bunte Markenwelt vorstellen und sich auf Konsolen-Exklusivtitel für ihre neuen Next-Gen-Konsolen konzentrieren. Vor allem Sony möchte mit den Indie-Spielen punkten, die auf der PS4 und PS Vita angeboten werden, und bietet viele verkleidete Figuren an, die sich für Fotos in Pose stellen. In einer unscheinbaren Nische kann „Nuclear Throne“ angespielt werden, der nächste Streich der Indie-Götter von Vlambeer. Rami Ismail höchstpersönlich erklärt mir die Vor- und Nachteile des Roboters, den ich als Charakterklasse ausgewählt habe. (Er verschlingt gefundene Waffen und gewinnt dadurch Munition und Lebensenergie.) Bei Microsoft und Nintendo fühlen wir uns genauso wohl und staunen über die Vielfältigkeit dessen, was auf den aktuellen Konsolen angeboten wird.

Am dritten und letzten Tag haben wir uns vorgenommen, uns gleich zu Messe-Eröffnung zu Oculus Rift vorzukämpfen, um möglichst vor allen anderen die mit vielen Vorschusslorbeeren überschüttete Virtual-Reality-Brille auszuprobieren. (Das Unternehmen, welches per Kickstarter gegründet wurde, ist inzwischen von Facebook aufgekauft worden.) Die Idee hatten leider auch ca. 500 andere Leute, sodass wir erstmals richtig anstehen müssen. In der Schlange herrscht aber gute Stimmung und nach nicht ganz einer Stunde sind wir selbst dran: Der Xenomorph in „Alien: Isolation“ macht Jagd auf uns. Ich selbst entkomme dem Ungetüm, während mein Begleiter Tobi schlussendlich gerissen wird.

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Später haben wir noch einige Termine vereinbart und sehen uns exklusive Präsentationen heißersehnter Titel an, darunter „The Witcher 3: Wild Hunt“ vom polnischen Vorzeige-Entwickler CD Projekt Red. Wir lassen uns polnisches Bier schmecken und lehnen uns zurück. Der versammelten Fachpresse wird eine Live-Gameplay-Präsentation geboten, die vielen die Kinnlade herunterfallen lässt. Der vom USK-Kollegen Ruben ergatterte VIP-Pass für den Ubisoft-Stand macht später die Runde, sodass wir zügig die spektakulären Präsentationen von „Tom Clancy’s The Devision“, „Far Cry 4“ und „The Crew“ anschauen können. Schlussendlich sind wir mit Bethesda verabredet und lassen uns ihren neuen F2P-Teamshooter „Battlecry“ ausführlich vorführen. Kurz vor Messeschluss probieren Ruben und Tobi das Spiel selbst aus: Im 8 gegen 8-Deathmatch hauen und stechen sie sich durch die Steampunkt-Welt von Battelcry und spielen dabei gegen eine Riege von Entwicklern und Bethesda-Standpersonal. Das Match geht hauchdünn zugunsten der erfahreneren Bethesda-Entwickler aus. Wir lassen uns dabei bzgl. Monetarisierung erklären, dass „Pay to Win“ in Asien populär und im Westen ein No-Go ist.

Wir ziehen ein positives Resumee: Auf der E3 fühlt man sich als Spieleinteressierter doch sehr wohl, weil die gesamte Messe übersichtlicher dimensioniert ist als die Gamescom, die ja eher Festival-Charakter hat. Ob die Reise in die Vereinigten Staaten lohnt? Nun, wenn man noch einen kleinen Urlaub dranhängt und mit Jetlag umgehen kann, ist eine Reise zur E3 allemal empfehlenswert. Wir überlegen ernsthaft, nächstes Jahr wieder zu kommen.“